02 Aug. Das Orchester der ca 653 Muskeln
Es ist Sommer. Und vielleicht bist du auf Reisen. Ich nehme dich heute mit auf eine gedankliche Orchesterreise…
Ein Orchester klingt als Ganzes – stell dir vor, du bist der Dirigent/ die Dirigentin.
„Als Musikerin im Orchester merkt man sofort, ob die Dirigentin/der Dirigent an der Musik interessiert ist oder an etwas anderem“
sagte eine Anna (so nenne ich sie hier), Geigerin, vorgestern in einer Einzelsession.
Bist du an der Musik interessiert oder an der Form, oder an…?
Du hast den Überblick und hörst. Du hörst, was der Musik fehlt, damit sie noch freier klingt.
Dafür gibst du Zeichen, Anweisungen, Direktiven. Wenn du dich zu sehr auf eine Musiker-Gruppe konzentrierst, verlierst du den Überblick für den Gesamtklang. Du möchtest die Musik nicht unterbrechen und wenn du es tust, dient es dem Gesamtklang.
Du liebst die Musik und weißt, was sie braucht.
Alle im Orchester hören einander zu und spielen zugleich ihre Stimme.
Du gestaltest und hältst die Fäden in der Hand. Gleichzeitig bist du Teil des Ganzen.
Klang ist Energie. Sowie Bewegung des Körpers Energie ist. Energie möchte fließen.

Gestern tauchte in einer Einzelsession die Bemerkung auf, dass man Muskeln doch trainieren müsse. Klar, manchmal brauchen wir mehr Tonus, wenn es davon zu wenig gibt.
Musiker/Innen können ihren Part für sich üben, getrennt vom Orchester.
Muskeln kann man gezielt trainieren, jedoch lassen sie sich nie vom Ganzen trennen. Das Orchester aus ca 653 Muskeln spielt immer weiter.
Anna, die Geigerin berichtete weiter:
Wenn der Fokus zu sehr auf einer Stimmgruppe also Instrumentengruppe liege, dann entstünde Spannung, zu viel Druck.
Das ist mit unserem Körper ähnlich. Erfahrungsgemäß ist Bewegung leichter, wenn ich den „Gesamtklang“ des Körpers im Ohr habe. Wenn ich den Überblick behalte, und mein Blick offen ist. Paradoxerweise lassen sich einzelne Muskeln dann gezielter ansteuern.
Präsenz und Wahrnehmung des Körpers helfen der freien Gesamtkoordination des Körpers. Diese entspricht dem Gesamtklang. Wenn ich hineinzoome um eine Stimme = eine Muskelgruppe zu spüren oder zu verändern, verliere ich den Gesamtklang. Das muss ich wissen, damit ich immer wieder zu ihm zurückfinden kann. Schließlich bin ich die Dirigentin und trage die Verantwortung.