05 März Anstrengung oder Intensität?
Als ich in meiner Tanzausbildungsphase war, mussten wir Krafttraining im Fitnessstudio machen.
Für mich war Training an Geräten das langweiligste überhaupt. Stupide, langweilig und anstrengend. Bei stickiger Luft.
Ich hätte nie gedacht, dass sich meine Meinung diesbezüglich eines Tages ändern würde, bis ich vor ein paar Jahren eine neue Methode kennenlernte, in der „high intensity training to failure“, Achtsamkeit und Embodiment Arbeit miteinander verknüpft werden. Andrei Yakovenko und Philipp Shepherd nennen ihre Methode „deep fitness“. Sie basiert auf neuesten sportwissenschaftlichen Theorien, die unter anderem besagen, dass man mehr Muskeln aufbaut und Gelenke schützt, wenn man Übungen sehr langsam ausübt. Auch sei es wichtig, die Form beizubehalten.

In Penelope Eastens Alexander-Technik und Fitness Kursen haben wir erforscht, wie sich Alexanders Prinzipien darauf anwenden lassen. Diese neue Erfahrung hat mein Bild von Krafttraining revolutioniert:
Früher kannte ich es, dass der Fokus bei hoher Anstrengung eng wird. Der Atem wird tendenziell angehalten, und der Körper fühlt sich sehr statisch an. Man hat das Gefühl, eher gegen den Körper zu kämpfen als mit ihm zu sein.
In dem Moment wo ich die Aufmerksamkeit für Körper und Raum hingegen ausweite, bekomme ich mehr von dem mit, was im Körper geschieht. Ich behalte den Überblick, bin in Positionen beweglicher und spüre mehr. Das Ganze fühlt sich weniger wie ein Aushalten von Anstrengung an, sondern wie ein Erleben von Intensität, bis zur und über die Grenze hinaus…
Die Alexander-Technik hilft mir dabei, Alignment von Moment zu Moment zu erneuern, körperlich offen und im Fluss zu bleiben. Wenn das posturale Bewegungssystem in hoher Anstrengung frei operiert fließt die Energie spürbar, und es fühlt sich so an, als ob ich mehr davon zur Verfügung hätte als in der statischen Position mit engem Fokus.
Ich glaube, es gibt viele spannende Arten, Resilienz aufzubauen. Für mich ist diese Art des Trainings eine davon.